BAD REICHENHALL/PIDING/SCHNEIZLREUTH – Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Bergwachten Bad Reichenhall, Freilassing und Inzell waren während der vergangenen Tage bei drei zeitaufwendigeren Einsätzen gefordert: Am späten Sonntagvormittag brauchte eine 72-Jährige Hilfe, die sich am Zwieselsteig zwischen Gamskogel und Zennokopf an einem scharfen Felsen eine tiefe Risswunde am Unterschenkel zugezogen hatte; am Samstagmittag wurden Hilferufe von der Nordostseite des Fuderheubergs gemeldet, wo ein 30-Jähriger den Steig verloren hatte und geschätzte 70 Höhenmeter abgestürzt war und am Montagvormittag musste ein 55-Jähriger gerettet werden, der sich auf der Westseite des Müllnerbergs verirrt hatte.
Am späten Sonntagvormittag (14. Juni) setzte kurz nach 11 Uhr eine achtköpfige Alpenvereinsgruppe aus Niederbayern einen Notruf ab, da sich eine 72-jährige Teilnehmerin in einer leichten Kletterpassage am Zwieselsteig zwischen Gamskogel und Zennokopf an einem scharfen Felsen eine tiefe Risswunde am Schienbein zugezogen hatte. Ihre Kameraden versorgten die Verunfallte mit einem Druckverband und mussten sie längere Zeit betreuen, da der Gratsteig in Wolken eingehüllt war und die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ vier Bergretter nur unterhalb des Zennokopf-Gipfels absetzen konnte, die dann zu Fuß weiter aufstiegen, zur Einsatzstelle querten und die Frau so weit versorgten, dass sie sie langsam am kurzen Seil zum Gamsknogel hinüber und dann weiter zur Kohleralm hinabführen konnten. Der Pilot versuchte dann nochmal vom Zwischenlandeplatz im Nonner Unterland aus anzufliegen, hatte aber wegen der Wolken keine Chance, flog nach Traunstein zum Tanken und brachte anschließend weitere Bergretter von Inzell aus so weit wie möglich nach oben, die dem Rettungstrupp von der Westseite aus entgegengingen, um die Frau dann gemeinsam zur Kohleralm hinabzubringen. „Christoph 14“ schaffte es dann aber in einer Wolkenlücke anzufliegen, konnte die 72-Jährige im Rettungssitz mit der Winde aufnehmen und direkt weiter zum Klinikum Traunstein fliegen. Insgesamt 25 Einsatzkräfte der Bergwachten Bad Reichenhall, Freilassing und Inzell waren rund viereinhalb Stunden lang gefordert.
Am Samstagmittag gegen 11.50 Uhr gingen von Piding aus mehrere Notrufe wegen nicht näher lokalisierbarer Hilferufe von der Nordostseite des Fuderheubergs oberhalb von Schloss Staufeneck ein. Insgesamt 17 Einsatzkräfte der Bergwachten Bad Reichenhall und Freilassing und ein Polizeibergführer der Alpinen Einsatzgruppe (AEG) suchten in mehreren Trupps die Wege und Steige ab, wobei drei Bergretter von der Staufenbrücke aus über den Normalweg aufstiegen, dann auf einem in rund 650 Höhenmetern abzweigenden verfallenen Jagersteig zunächst ein abgestelltes Radl und dann aufgrund seiner Rufe gegen 12.50 Uhr auch unter einem Baum den verunfallten 30-jährigen Freilassinger fanden. Der Mann war bereits in der Früh aufgebrochen und vom Normalweg in den verfallenen Steig abgezweigt; er wollte dann wahrscheinlich am Ende an einer Felswand weiter weglos durch eine Rinne aufsteigen, wobei er am regennassen Untergrund ausrutschte und geschätzte 70 Höhenmeter durchs steile Waldgelände abstürzte und knapp oberhalb einer senkrechten Wand liegenblieb. Da er sein Handy verloren hatte und immer wieder auch bewusstlos wurde, konnte er selbst keinen Notruf absetzen. Die Bergretter bauten einen Standplatz und versorgten den Mann notfallmedizinisch, der sich nach erster Einschätzung neben einer Kopfplatzwunde und mehreren Abschürfungen schwerer am Unterschenkel und an der Hand verletzt hatte. Sie forderten zum schonenden Abtransport den Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ nach; die Heli-Besatzung setzte zunächst ihren Notarzt an der Einsatzstelle ab, der nach kurzer Untersuchung entschied, dass ein sitzender Abtransport möglich ist; der Heli nahm dann den Verunfallten mit der Winde auf und flog ihn direkt zur Kreisklinik Bad Reichenhall. Der zunächst zur Suche alarmierte Polizeihubschrauber „Edelweiß 3“ mit Wärmebild-Kamera und das Team des Technikbusses der Bergwacht Chiemgau mit der Wärmebild-Drohne wurden vor Ort nicht mehr benötigt. Der Einsatz dauerte rund vier Stunden. Ein Polizeibergführer nahm den schweren Unfall auf.
Am Montagvormittag (8. Juni) war gegen 9.30 Uhr ein Notruf von der Westseite des Müllnerbergs eingegangen, wo ein 55-Jähriger aus Baden-Württemberg vom Ulrichsholz aus zum Paul-Gruber-Haus aufsteigen wollte und den Steig verloren hatte. Acht Einsatzkräfte der Reichenhaller Bergwacht und die Besatzung des Polizeihubschraubers „Edelweiß 13“ konnten den Unverletzten orten, in einem Rettungssitz sichern, mit der Winde aufnehmen und ins Tal fliegen. Der Einsatz dauerte zwei Stunden.
Bereits am 29. Mai musste „Christoph 14“ gegen 15.20 Uhr einen Baden-Württemberger und seinen zwölfjährigen Sohn vom Landeplatz oberhalb des Reichenhaller Hauses am Hochstaufen abholen, da der Bub zuvor im Pidinger Klettersteig gestürzt war und sich eine Risswunde an der Augenbraue zugezogen hatte. Am 17. Mai wurden nachts um 1.40 Uhr unklare Lichtquellen unterhalb der Predigtstuhlbahn von Bad Reichenhall aus gesehen und über Notruf gemeldet, die der Einsatzleiter der Bergwacht hinsichtlich eines vermeintlichen Notfalls abklären musste.



